SchachtZeichen-Utensilien.

schachtzeichen

Vom 22. bis zum 30.05.2010 war ich im Auftrag der Ruhr.2010 zusammen mit 7 Kollegen und Kolleginnen als SchachtZeichen-Fotograf unterwegs. Es waren intensive 9 Tage, gekennzeichnet von vielen Hochs und Tiefs, Wetterkapriolen und allerhand wunderbaren Momenten. Ich werde meine Bilder und Geschichten in Kürze an dieser Stelle präsentieren. Allen Beteiligten bis dahin meine Hochachtung und ein Dank an alle Helferinnen und Helfer.


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fotorevier.net - die ruhrstadt im bild

Der Großvater, der den Staub der Nachtschicht ins Waschbecken spuckt. Der Vater, der immer wieder an einen Ort entschwindet, von dem ich nicht weiß, wie es da aussieht und was er da macht. Die Geschichten der Mütter von Wäsche, die schwarz wird, wenn der Wind ungünstig steht. Auf der Suche nach den Eindrücken meiner Kindheit und Jugend werden die alten Bilder durch neue überlagert, verwischt und vermischt.

Wenn ich am meine Kindheit denke, habe ich die beeindruckende Silhouette des Schachtturms auf Consolidation vor Augen. Für einen kurzen Moment in der Straßenbahn aufblitzend, im nächsten Moment von den vorbeieilenden Häuserzeilen gestohlen. Das abrupte Aufgehen von urbanem Stuckwerk in münsterländischen Wiesen und Feldern. Die Gleiswüste hinter dem Eisenwerk, das Heizkraftwerk und die grüne Halde. Es sind genau diese scharfen Kontraste, die mir klar machen, dass es sich mit dieser meiner Stadt ein wenig anders verhält.

Phoenix West

Umbruch auf Phoenix West

Endlich eine "richtige" Kamera in Händen, bemerkte ich, dass vieles sich inzwischen verändert hatte. Zu den Jugenderinnerungen gesellten sich nun die neuen Bilder eines Umbruchs. Es ist dieses seltsame Nebeneinander von Montanindustrie und Hochtechnologie, von Landwirtschaft und Großstadtleben, das mich immer wieder dazu antreibt, selbst hinzugehen und zu sehen.

Ich glaube, die Leidenschaft zur Fotografie ist eine tiefe Sehnsucht. Der Wunsch, Momente einzufangen und Stimmungen nacherfahrbar zu machen. Das Verweilen auf dem Bild, das Suchen nach immer neuen Details und Perspektiven. Das Bild, das ich von meiner Heimat zeichne, ist geprägt von einer Liebe auch zu den auf den ersten Blick weniger schönen Seiten dieser Stadt.

Die Fotografie benutze ich als Medium, um mich mit der Welt, die mich umgibt, auseinander zu setzen. Ich bewege mich zwischen den beiden Polen Zeigen und Erfahrbar machen, und aus diesem Grund bilde ich manchmal einfach nur ab. Das entspricht auch ziemlich genau meinem Herangehen an ein Motiv: In einem ersten Schritt dokumentiere ich, verschaffe mir einen Überblick, nähere mich an. In einem zweiten Schritt, der zeitlich durchaus viele Monate später stattfinden kann, lote ich neue Perspektiven aus, arbeite die Stimmung, die das Objekt in mir hervorruft, heraus.

Als Fotograf habe ich nicht nur Einfluss auf Bildauschnitt, Blende und Verschlusszeit. Zum kreativen Prozess des Fotografierens gehört auch die Auswahl des Zeitpunkts, zu der ich ein Bild in Angriff nehme. Nicht nur die Uhrzeit, auch die Jahreszeit entscheidet. Auf manche Motive habe ich ein Jahr gewartet, bis die Rahmenbedingungen so waren, wie ich sie haben wollte.

Es geht mir nicht darum, einfach nur alte Industrieanlagen abzulichten oder in der Vergangenheit zu schwelgen. Vieles von dem, was im Revier verschwunden ist, ist zu Recht verschwunden und ich weine dem Raubbau an Mensch und Natur keine Träne nach. Ich möchte vielmehr nachvollziehbar machen, was das Leben hier ausmacht und das Lebensgefühl begreifbar machen, das es die Einwohner der Ruhrstadt hier aushalten lässt. Anderswo ist sicherlich schöner. Aber anderswo ist nicht zuhause.

ein herzlicher dank

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Danke für die gute Zeit!