Fußball im Revier - das ist wie Mayo auffe Pommes. Es gibt zu dem Thema bereits Regale voller Filme, Bücher, Berichte und Erzählungen. Sicher hat sich seit der Glanzzeit des Revierfußballs einiges in Richtung Professionalität und Kommerzialisierung verschoben. Aber die ganzen Plattitüden wie "hier wird Fußball gelebt" oder "hier schlägt das Herz des Fußballs" - sie stimmen! Ich bin zwar von Hause aus kein großer Fußballfan - als Revierfotograf komme ich um das Thema jedoch nicht herum. Will ich aber auch gar nicht.
Rivalität im Sport - das ist sicherlich wichtig, will man ein Spiel gewinnen. Die Sticheleien am Arbeitsplatz, wenn Dein Verein verloren hat; das erhabene, wortlose Triumphieren, wenn ein Derby gewonnen wurde - das gibt dem ganzen erst die nötige Würze. Wenn es jedoch in offene Feindschaft umschlägt, hört der Spaß für mich irgendwo auf. Ich für meinen Teil kann mich über jeden Sieg eines Revierclubs freuen, auch wenn die Tabellensituation für meinen eigenen Verein dadurch schwieriger wird. Ich sage mir: Solange mein Verein immer gut spielt und alle Spiele gegen andere Vereine gewinnt, kann ich einem Derby mit einer gehörigen Portion Vorfreude und Spannung entgegensehen.
Und wenn sie sich untereinander noch so spinnefeind sind: In der Ablehnung des FC Bayern zeigen die Ruhrstädter weitgehende Einigkeit (es soll wohl zwischen Bochum und den Bayern so etwas wie eine Fanfreundschaft geben; das Ganze halte ich jedoch mehr für eine Art gönnerhafte Geste der Roten aus München). Es wird den Ruhrstädtern in diesem Zusammenhang immer wieder vorgeworfen, sie seinen nur neidisch auf den Erfolg der Bayern, was ja kompletter Unfug ist. Denn nichts wäre einfacher, als sich einfach ein rotes Trikot überzustreifen und an der Erfolgsbesoffenheit zu partizipieren. Ich gehe mal so weit zu sagen: Im Revier wollen wir in erster Linie nicht Titel und Erfolge, sondern Einsatz und Leidenschaft sehen. Natürlich wäre für den FC Schalke 04 nach mehr als 50 Jahren ein Meistertitel mal wieder ganz schön und auch Bochum würde gern mal überhaupt irgendwas gewinnen. Die gute Stimmung der Saison 2008/2009 in Dortmund mit dem sympathischen Trainer Jürgen Klopp zeigt aber ganz deutlich, dass für den Revierbürger durchaus die Fußballwelt in Ordnung sein kann, selbst wenn er nichts wirklich Zählbares erreicht. Man kann mal verlieren. Man kann auch zwei, drei oder mehr Spiele verlieren. Aber am Ende des Tages muss Blut am Pfosten kleben, so einfach ist das.
Auch wenn die Ruhrstadt irgendwann zur kommunalpolitischen Realität wird - das besondere... sagen wir mal: "Verhältnis" zwischen den Revierclubs wird bleiben. Und das ist auch gut so. Auch wenn uns die Farben unterscheiden: Die Leidenschaft ist dieselbe.